NBS 2030
Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030

Aktuelles
Die biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche: die Vielfalt der Arten, die Vielfalt der Lebensräume und die genetische Vielfalt innerhalb einer Art. Diese drei Aspekte hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.
Biologische Vielfalt umfasst also weit mehr als nur die „Artenvielfalt“: Man kann sie mit einem eng verwobenen Netz vergleichen, in dem zahlreiche Verknüpfungen und Abhängigkeiten existieren und in dem ununterbrochen neuen Knoten geknüpft werden.
Die Vielfalt an Arten ist in der Regel ein Ausdruck für die unterschiedlichen Arten, die in einem bestimmten Raum vorkommen. Bezugsgrößen können politische und geographische, oder auch ökologische Raum-Einheiten sein.
Die Artenvielfalt ist ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Vielfalt. Immer wieder werden beide Begriffe synonym gebraucht bzw. wird „Biologische Vielfalt“ weitgehend mit „Artenvielfalt“ gleichgesetzt. Das entspricht aber nicht den eigentlichen Bedeutungen, denn zur biologischen Vielfalt gehören zusätzlich zur Artenvielfalt auch noch die Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen sowie die genetische Vielfalt. Alle drei Aspekte sind dabei eng durch wechselseitige Beziehungen miteinander verbunden. Während geeignete Lebensräume und Ökosysteme Grundvoraussetzung für die Existenz von Arten sind und ihre Veränderungen einen Einfluss auf die Artzusammensetzung bis hin zur Herausbildung neuer und den Verlust bestehender Arten haben können, sind bestimmte Arten ihrerseits in der Lage, Lebensräume zu gestalten oder zu verändern (z. B. der Biber). Die genetische Vielfalt dagegen beschreibt die Vielfalt innerhalb der Arten. Jedes Individuum einer Art, das auf generative, also sexuelle Reproduktion zurückgeht, hat ein einzigartiges Genom. Diese genetische Vielfalt ist die Voraussetzung für die Herausbildung neuer Arten, für die Evolution, und damit auch die Artenvielfalt. Darüber hinaus ist eine hohe genetische Vielfalt oftmals wichtig für Anpassung der Arten an sich ändernde Umweltbedingungen (bspw. im Zuge des Klimawandels).
Schätzungen, wie viele Arten es auf der Erde gibt, schwanken stark. So wurden Zahlen zwischen 10 und 100 Millionen Arten genannt. Experten gehen von knapp 15 Millionen Arten aus (Quelle: BMUV). Derzeit bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind bislang etwa nur 1,8 Millionen Arten (Quelle: Chapman 2009). Mehr als eine Million davon entfallen auf die Klasse der Insekten, 330.000 Arten sind Pflanzen und knapp 100.000 Arten gehören zu den Pilzen. In Deutschland sind insgesamt etwa 71.500 Arten nachgewiesen (Quelle: Artenschutzreport 2015).
Die größte Artendichte findet sich in so genannten „Hot Spots“. Diese 25 artenreichsten Gebiete der Erde – meist in den Tropen oder Subtropen gelegen – machen gerade einmal 1,4 Prozent der Erdoberfläche aus. Aber in ihnen existieren 44 Prozent aller Pflanzen und ein Drittel aller Wirbeltierarten. Im Vergleich dazu ist Deutschland ein relativ artenarmes Land: So gibt es hier zum Beispiel lediglich 3.062 Gefäßpflanzenarten. Das pflanzenreichste, aber gegenüber Deutschland auch sehr viel größere Land ist Brasilien mit 56.000 Arten, gefolgt von Kolumbien mit 51.000 und China mit 32.000 Arten. (Quelle: BMUV)
Deutschland beherbergt aufgrund seiner klimatischen Lage in Mitteleuropa und seiner durch die Eiszeiten geprägten Landschaften insgesamt nicht so viele Arten wie tropische Länder. Bei uns kommen ca. 25.000 Pflanzen- und Pilzarten (weltweit ca. 420.000 Arten höherer Pflanzen) und ca. 48.000 Tierarten vor (weltweit ca. 1,4 Mio. Arten). Anders ausgedrückt: in Deutschland leben etwa 0,7 Prozent des Weltbestandes der bekannten Pflanzenarten und etwa 3,5 Prozent des Weltbestandes der bisher bekannten Tierarten.
Eine weltweite Verantwortung übernimmt Deutschland für Arten, von denen ein hoher Anteil der Weltpopulation hier beheimatet ist. Dazu gehört zum Beispiel die Wildkatze, der Fischotter und die Gelbbauchunke. Dies gilt auch für rastende oder überwinternde Tierarten. Gemäß der Roten Liste für Wirbeltiere von 2020 sind in Deutschland 37 Prozent der untersuchten Wirbeltiere in ihrem Bestand gefährdet, ausgestorben oder verschollen. Bei den Farn- und Blütenpflanzen sind es 32 Prozent aller vorkommenden Arten.
In den letzten Jahren wurden erhebliche und erfolgreiche Anstrengungen zum Aufbau eines repräsentativen Schutzgebietsnetzes in Deutschland unternommen. Die Naturschutzgebietsfläche in Deutschland beträgt 2.713.980 Hektar (Stand: 31.12.2022), was 6,5 Prozent der Fläche Deutschlands (inklusive der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und der 12 Seemeilen Zone in Nord- und Ostsee) entspricht. (Quelle: BfN).
Darüber hinaus gibt es 16 Nationalparks mit einer Gesamtfläche von 1.050.442 ha (einschließlich Watt- und Wasserflächen der Nord- und Ostsee), 18 Biosphärenreservate mit einer Gesamtfläche von 2.028.346 ha (ebenfalls einschließlich Watt- und Wasserflächen der Nord- und Ostsee), wovon 17 von der UNESCO anerkannt sind, und 104 Naturparks mit über 10,2 Mio. ha. (Stand 06/2016, s. Großschutzgebiete in Deutschland, BfN)
Nahezu alle Naturschutzgebiete liegen innerhalb des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000.
Für den Rückgang der Artenvielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Gründe gibt es viele: Zum Beispiel lässt der Raubbau an der Natur aus Wäldern monotone Forste entstehen und Flussauen machen für Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppte Arten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Und auch die Klimaerwärmung beeinträchtigt Lebensgemeinschaften, etwa weil weniger Niederschläge fallen. (Quelle: BMUV / Stand 02.06.2025)
Ja, klimatische Veränderungen wirken sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume aus. Schon ein Temperaturanstieg um wenige Grad könnte für zahlreiche Pflanzen und Tiere den Tod bedeuten.
Sollte die Erderwärmung auf über zwei Grad Celsius ansteigen, könnten beispielsweise 99 Prozent aller Korallenriffe absterben (IPBES 2019). Und wenn einzelne Arten aus einem Lebensraum verschwinden, gerät dieser möglicherweise aus dem Gleichgewicht – und noch mehr Arten wären gefährdet. Umgekehrt speichern marine und terrestrische Ökosysteme 5,6 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr und sind damit eine wichtige Senke für anthropogene CO2-Emissionen (IPBES 2019). (Quelle: BMUV / Stand 02.06.2025
75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche sind stark verändert, über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind verloren gegangen. Seit dem Jahr 1500 sind 680 Wirbeltierarten ausgestorben (Quelle IPBES 2019). Die Rote Liste der IUCN gibt an, dass derzeit über 35.500 Arten vom Aussterben bedroht sind. Tiere wie der chinesische Flussdelfin, der Pyrenäen-Steinbock oder der Java-Tiger sind für immer verschwunden. 33 Prozent aller Meeresfischbestände gelten als überfischt (Quelle: IPBES 2019). Durch die Überfischung der Weltmeere könnte schon ab 2050 eine kommerzielle Fischerei nicht mehr möglich sein.
Die Hälfte aller lebenden Korallen ist seit 1870 verschwunden (Quelle: IPBES 2019). Aber auch an Land sind die Verluste deutlich: Nach dem FAO-Waldbericht 2020 gingen seit 2015 jährlich zehn Millionen Hektar Wald verloren. Satellitendaten geben aber Grund zur Befürchtung, dass der tatsächliche globale Waldverlust deutlich über den von der FAO berichteten Zahlen liegt. (Quelle: BMUV)
Momentan ist die Rate des weltweiten Artensterbens hundert- bis tausendfach so hoch wie die natürliche Aussterberate. Laut Weltnaturschutzunion IUCN steigt die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Arten kontinuierlich an.
2017 waren rund 24.000 Arten weltweit vom Aussterben bedroht – zur Jahrtausendwende mit 11.000 bedrohten Arten noch nicht einmal die Hälfte. Unter den bedrohten Tierarten sind heute
- 25 Prozent aller Säugetiere,
- 13 Prozent der Vögel und
- 42 Prozent der Amphibien.
(Quelle: BMUV)
Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur. Nur bei einer hohen Artenvielfalt und einer großen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art ist die Natur in der Lage, mit veränderten Bedingungen zurechtkommen.
Der Verlust biologischer Vielfalt kann unser Leben gefährden. Denn die Vielfalt der Natur ist die Grundlage unser aller Leben und der globalen wirtschaftlichen Entwicklung. So können Pflanzen, die wie Reis ein Grundnahrungsmittel sind, durch Ungeziefer oder eine Krankheit bedroht sein. Dafür gibt es zahlreiche historische Beispiele, etwa die Kartoffelfäule in Irland im 19. Jahrhundert. Mehr als 75 Prozent der weltweit angebauten Nutzpflanzen für die Nahrungsmittelerzeugung sind auf die Bestäubung durch Insekten, Vögel, Fledermäuse und andere Tiere angewiesen. Zwischen 235 und 588 Milliarden US-Dollar der jährlichen Nutzpflanzen-Erzeugung sind bedroht durch den Verlust an Bestäubern (Quelle: IPBES 2019).
Die Vielfalt der Natur ist aber auch Vorbild für technische Innovationen und trägt zum Klimaschutz bei. 40 Prozent des weltweiten Handelsvolumens bauen darauf auf, die natürlichen Lebensgrundlagen zu nutzen, 10.000 bis 20.000 Pflanzenarten werden weltweit für Arzneien verwendet. Und Leistungen der Wälder wie sauberes Wasser und der Schutz des Klimas sichern den Lebensunterhalt von etwa 600 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern. (Quelle: BMUV/ Stand: 02.06.25)




