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Meinungsbeitrag aus der Wissenschaft
Ökonomische Auswirkungen von Biodiversitäts-orientierter Waldbewirtschaftung
Meinungsbeitrag von Prof. Dr. Marc Hanewinkel (Universität Freiburg)
Wälder sind in Deutschland in ihren verschiedenen Ausformungen naturnahe Ökosysteme und wichtige Horte der heimischen Biodiversität. Angesichts zunehmender Erfordernisse an einen Biodiversitätsschutz stoßen klassische Naturschutzkonzepte mit ihren ordnungsrechtlichen Auflagen und Verboten an Grenzen. Es wurden daher die Stimmen aus Wissenschaft und Politik laut, die Biodiversitätspolitik stärker ökonomisch auszurichten, um so in der Gesellschaft einen generell sparsameren Umgang mit natürlichen Ressourcen zu erreichen. Derzeit werden überwiegend Bewertungsansätze verfolgt, die insbesondere für private Waldbesitzer/innen Biodiversitäts-orientierte Bewirtschaftungsstrategien im Sinne einer Zahlung für Ökosystemleistungen („payment for ecosystem services“) Ausgleichszahlungen für Einzelbäume, Baumgruppen oder Teilflächen, die aus der Bewirtschaftung genommen werden, vorsehen.
Hierbei wird Biodiversität als ein Kostenfaktor im Sinne von Opportunitätskosten angesehen, die Waldbesitzern teilweise erstattet werden, wenn sie Maßnahmen ergreifen, die z.B. durch den Erhalt von Habitatbäumen zur Erhöhung von Biodiversität beitragen. Aus wissenschaftlicher Sicht greift dies deutlich zu kurz. Biodiversität ist die Grundlage jeglicher Bereitstellung von Ökosystemleistungen in Wäldern, auch der Holzproduktion. Durch Bewirtschaftungsstrategien, die die Biodiversität erhöhen, erhöht sich z.B. auch die Resilienz von Wäldern nach Störungen. Ausgedrückt werden kann dies im Sinne einer naturbasierten Lösung („nature based solution“) als eine Erhöhung des natürlichen Versicherungswertes damit des Gesamtwertes von Wäldern. Waldeigentümer/innen, die Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität in Wäldern ergreifen, treten dabei nicht nur als Selbstversicherer auf, sondern erbringen auch zusätzliche Leistungen für die Gesellschaft.
Da Biodiversität nicht auf Märkten gehandelt wird und damit diese Leistungen nicht honoriert werden, ist es durchaus naheliegend, dass dies z.B. in Form von Förderprogrammen durch die öffentliche Hand geschieht. Für das Handlungsfeld „Wälder“ der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030, das eine deutliche Steigerung von Artenvielfalt und Landschaftsqualität in Wäldern zum Ziel hat, ist es wichtig, auch ökonomische Anreize zur Verbesserung des Zustandes der Wälder in Bezug auf Biodiversität zu setzen. Hier können neben Zahlungen für Ökosystemleistungen auch die Inwertsetzung der Biodiversität im Sinne von naturbasierten Lösungen eine Rolle spielen.
