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Die biologische Vielfalt in Deutschland


Bestand und Gefährdung

Deutschland beherbergt auf Grund seiner klimatischen Lage in Mitteleuropa und seiner durch die Eiszeiten geprägten Landschaften insgesamt nicht so viele Arten wie tropische Länder. Bei uns kommen ca. 25.000 Pflanzen- und Pilzarten (weltweit ca. 420.000 Arten höherer Pflanzen) und ca. 48.000 Tierarten vor (weltweit ca. 1,4 Mio. Arten). Anders ausgedrückt: in Deutschland leben etwa 0,7 % des Weltbestandes der bekannten Pflanzenarten und etwa 3,5 % des Weltbestandes der bisher bekannten Tierarten.

Eine weltweite Verantwortung übernimmt Deutschland für Arten, von denen ein hoher Anteil der Weltpopulation hier beheimatet ist. Dazu gehören bspw. die Wildkatze, der Fischotter und die Gelbbauchunke. Dies gilt auch für rastende oder überwinternde Tierarten. Gemäß der Roten Liste für Wirbeltiere von 2009 sind in Deutschland 28 % der untersuchten Wirbeltiere in ihrem Bestand gefährdet, 8 % gelten als ausgestorben oder verschollen. Bei den Farn- und Blütenpflanzen wurden 1996 26,8 % aller vorkommenden Arten als in ihrem Bestand gefährdet und 1,6 % als ausgestorben oder verschollen eingestuft.

Einflussfaktoren auf die biologische Vielfalt

Als häufigste Gefährdungsursachen gelten die Sukzession auf aus der Nutzung genommenen Lebensräumen und Nährstoffeinträge. Weitere negative Einflussfaktoren für die biologische Vielfalt sind Bebauung, Trockenlegung von Feuchtgrünland und Kleingewässern, Fragmentierung der offenen Landschaft und Regulierungsmaßnahmen bei Gewässern. 

Buchenwälder – eine besondere Verpflichtung

In Deutschland lassen sich 690 Biotoptypen unterscheiden, wovon 72,5 % als gefährdet und 2 % bereits als vollständig vernichtet eingestuft werden. Besonders hohe Anteile gefährdeter Biotoptypen finden sich in Meeres-, Küsten- und Alpenlebensräumen. 

Die Analyse der Entwicklungstendenzen zeigt aktuell im Bereich der Meere und Alpen eine günstigere Situation als bei Gewässern und anderen Landlebensräumen auf. Dies ist vermutlich auf die geringere Nutzung zurückzuführen. Aufgrund seines hohen Anteils an den europäischen Buchenwäldern (25 % der Gesamtfläche) hat Deutschland für den Schutz dieser Wälder eine besondere globale Verantwortung. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) misst die Bundesregierung einer naturnahen Waldbewirtschaftung daher eine besondere Bedeutung zu. Ziel ist es, die Waldflächen mit einer natürlichen Waldentwicklung in Deutschland bis 2020 auf 5 % zu erhöhen. 

Dem bewussten Verzicht auf eine weitere Nutzung stehen erhebliche Anstrengungen für einen standort- und klimagerechten Waldum- und Ausbau gegenüber. Bei weiterhin forstwirtschaftlich genutzten Wäldern wird es künftig darauf ankommen, dass eine klare und naturschutzverträgliche Definition der Inhalte einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung bis 2010 vorgenommen wird.

Schutzgebietsentwicklung in Deutschland

Die Bilanz der Schutzgebietsentwicklung in Deutschland der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass erhebliche und erfolgreiche Anstrengungen zum Aufbau eines repräsentativen Schutzgebietsnetzes unternommen worden sind. Die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete  beträgt 1,27 Mio. ha (Stand 12/2008), das sind 3,6% der deutschen Gesamtfläche.

Darüber hinaus gibt es 14 Nationalparke mit einer Gesamtfläche von 962.051 ha (einschließlich Watt- und Wasserflächen der Nord- und Ostsee), 16 Biosphärenreservate mit einer Gesamtfläche von 1.873.911 ha (ebenfalls einschließlich Watt- und Wasserflächen der Nord- und Ostsee), wovon 15 von der UNESCO anerkannt sind, und 100 Naturparke mit 9.343.121 ha. ( s. Großschutzgebiete in Deutschland, BfN)

Nahezu alle Naturschutzgebiete liegen innerhalb des europäischen Schutzgebietssystems  Natura 2000, welches zudem mit Nationalparken und den Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten erhebliche Überschneidungen aufweist.

Deutschland hat gerade mit dem Blick auf ein global einzurichtendes Schutzgebietssystem unter dem Dach des Übereinkommens über die biologische Vielfalt erhebliche Fortschritte erzielt.

(Alle Daten basieren auf Angaben des BfN)

 

s. a. Steer, U., Scherfose, V. Balzer, S. (2008): Ausgewählte Aspekte des deutschen Schutzgebietssystems, Natur und Landschaft Heft 3/2008, S. 93-100

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weiterführende Informationen:

Bericht zur Lage der Natur, 16. Legislaturperiode

 Bericht zur Lage der Natur für die 16. Legislaturperiode (BMU)

Der Bericht zur Lage der Natur enthält eine Bestandsaufnahme und Analyse der Gefährdung der biologischen Vielfalt, die Schwerpunkte der Naturschutzpolitik der Bundesregierung sowie Perspektiven für den künftigen Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt.