Ökologischer Landbau
Diagramm

Grafik: BfN (2010), Daten: BMELV (2010)
Kurzfassung
| Themenfelder der NBS | B 2.4 Landwirtschaft, C 6 Land- und Forstwirtschaft |
|---|---|
| Definition | Der Indikator gibt Auskunft über den Umfang der Flächen mit ökologischem Landbau, die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen. |
| Gemessene oder beobachtete Größe | Anteil der Flächen mit ökologischem Landbau an der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) |
| Letzter berichteter Wert | 5,6 % (Stand: 2009) |
| Ziel/Zielwert | Erhöhung des Flächenanteils mit ökologischem Landbau auf 20 % der LF |
| Status | |
| Trend | |
| Kernaussage | Zwar nehmen die Flächen mit ökologischem Landbau kontinuierlich zu (5,6 % Flächenanteil im Jahr 2009). Das 20 %-Ziel ist jedoch bei weitem noch nicht erreicht. Es ist beabsichtigt, die Rahmenbedingungen für den Umstieg auf den ökologischen Landbau so zu gestalten, dass in den nächsten Jahren die Fläche des ökologischen Landbaus auf 20 % der LF steigen kann. |
| Indikatorensystem | NHS, KIS, LIKI, SEBI |
Einführung

Apfel aus ökologischem Anbau © o-zero /
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In Deutschland wird über die Hälfte der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt. Die biologische Vielfalt ist auf diesen Flächen in hohem Maße von der Art der Bewirtschaftung abhängig. Verbesserungen beim Schutz von Arten und Lebensräumen können in der Agrarlandschaft nur erreicht werden, indem landwirtschaftliche Anbaumethoden natur- und umweltverträglicher gestaltet werden.
Der ökologische Landbau trägt in besonderem Maße zur Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie zur Förderung regionaltypischer Kulturlandschaften bei. So führt die ökologische Bewirtschaftung u.a. zu einer höheren biologischen Aktivität im Boden, schont das Bodengefüge und verringert Bodenverluste. Die dadurch gesteigerte Wasserspeicherkapazität des Bodens trägt zusätzlich zum Schutz vor Hochwasser bei, und die Erosionsgefahr sinkt. Der geringe Einsatz von Tierarzneimitteln und das Verbot von synthetischen mineralischen Stickstoffdüngern und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln schonen Grundwasser und Oberflächengewässer.
Das Ziel der ökologischen Bewirtschaftung sind möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe bei der landwirtschaftlichen Produktion, um Ökosysteme in ihren Funktionen zu erhalten, nicht erneuerbare Energie- und Rohstoffquellen zu schonen, Umweltbelastungen zu vermeiden und die Versauerung der Böden sowie den Eintrag von Nährstoffen in die Gewässer zu reduzieren.
Der Indikator „Ökologischer Landbau“ wurde im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und in die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt übernommen. Er wird aktuell auch im Indikatorenbericht 2010 zur Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie berichtet (Statistisches Bundesamt 2010). Die Bilanzierung hat in entsprechender Form außerdem Eingang in das Indikatorensystem der Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI) gefunden.
Definition
Der Indikator „Ökologischer Landbau“ gibt Auskunft über den Umfang der Flächen ökologisch wirtschaftender Betriebe, die den Kontrollverfahren der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau (Verordnung (EG) Nr. 834/2007 und Durchführungsvorschriften) unterliegen, an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF). Er umfasst sowohl die vollständig auf Ökolandbau umgestellten als auch die noch in Umstellung befindlichen Flächen.
Die Entscheidung über den Einstieg in den ökologischen Landbau liegt beim einzelnen Betrieb. Die Bundesregierung beabsichtigt, die Rahmenbedingungen für den Umstieg so zu gestalten, dass in den nächsten Jahren die Fläche des ökologischen Landbaus auf 20 % der LF steigen kann.
Die Bundesregierung strebt die „Beibehaltung einer angemessenen Förderung des ökologischen Landbaus“ an (BMU 2007: 48). Es ist beabsichtigt, die Rahmenbedingungen für den Umstieg auf den ökologischen Landbau so zu gestalten, dass in den nächsten Jahren die Fläche des ökologischen Landbaus auf 20 % der LF steigen kann.
Aufbau
Die Daten beruhen auf der Agrarstrukturerhebung und werden regelmäßig vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Demnach liegt eine ökologische Bewirtschaftung vor, wenn in einem landwirtschaftlichen Betrieb pflanzliche oder tierische Erzeugnisse nach den Grundsätzen der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen sowie gemäß zugehöriger Durchführungsvorschriften produziert werden. Weiterhin muss der Betrieb einem Kontrollverfahren seitens einer staatlich zugelassenen Kontrollstelle unterliegen.
Aussage
Im Jahr 1994 wurde auf 272.139 ha Fläche ökologischer Landbau betrieben. Das entsprach einem Anteil von 1,6 % der LF in lediglich 5.866 landwirtschaftlichen Betrieben. Diese Werte stiegen seit Beginn der Erfassung kontinuierlich an. Ende des Jahres 2009 wirtschafteten 21.047 landwirtschaftliche Betriebe auf 947.115 ha nach den Bestimmungen der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Das entspricht 5,7 % der Betriebe auf 5,6 % der LF.
Der Anstieg ist als Reaktion auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Bio-Produkten und die gestiegenen Preise zu werten. Außerdem spielen die Rahmenbedingungen, die der Bund und die Länder setzen, und dabei insbesondere die Wiederaufnahme der Umstellungsförderung in fast allen Bundesländern eine bedeutende Rolle. Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe des ökologischen Landbaus verlief in den letzten Jahren zumeist positiv.
Trotz des kontinuierlich positiven Trends und der günstigen Vorhersagen für den ökologischen Landbau liegt der aktuelle Indikatorwert noch sehr weit vom Zielwert entfernt. Nach Angaben von Eurostat für das Jahr 2007 liegt Deutschland im europäischen Vergleich (EU-15) bezogen auf den Flächenanteil zwar knapp über dem Durchschnitt (4,7 %), aber hinter z. B. Österreich (11,7 %), Schweden (9,9 %) und Italien (9,0 %).

