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Gefährdete Arten

Diagramm

Diagramm des Indikatorverlaufs mit Werten 1998 und 2009. Die Kernaussage des Diagramms und weitere Informationen finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.

Grafik: BfN (2010), Daten: Rote Liste 1998, Rote Liste 2009

Kurzfassung

Indikator "Gefährdete Arten"
Themenfelder der NBS B 1.1.2 Artenvielfalt, C 2 Artenschutz und genetische Vielfalt
Definition Der Indikator bilanziert das Ausmaß der bundesweiten Gefährdung von Arten ausgewählter Artengruppen.
Gemessene oder beobachtete Größe Index (Maßzahl in %) über die Einstufung von Arten ausgewählter Artengruppen in die Rote-Liste-Kategorien bundesweiter Roter Listen
Letzter berichteter Wert 23 % (Stand: 2009)
Ziel/Zielwert Zum Schutz der Artenvielfalt wird bis 2020 eine Verbesserung der Gefährdung aller aktuell bestandsgefährdeten Arten um eine Stufe angestrebt. Für die Gruppe der Wirbeltiere (ohne die Meeresfische) ergibt sich daraus ein Zielwert von 16 %.
Status MinusDer aktuelle Wert liegt noch weit vom Zielbereich entfernt (Zielerreichungsgrad 50 % bis < 80 %).
Trend n.v.
Kernaussage Für das Jahr 2009 beträgt der vorläufig nur für die Gruppe der Wirbeltiere ohne die Meeresfische berechnete Indikatorwert 23 %. Um den Zielwert von 16 % bis 2020 zu erreichen, sind große Anstrengungen im Artenschutz notwendig.
Indikatorensystem KIS, SEBI

Einführung

Foto eines Luchs

Luchs (Lynx lynx) © Kjetil Rodal /  iStockphoto.com

Maßnahmen zum Schutz von Arten sind ein zentrales Thema der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Sie zielen darauf, die Gefährdung von Arten zu verringern und den Rückgang der Artenvielfalt aufzuhalten. Rote Listen gefährdeter Arten enthalten wichtige Informationen zur Gefährdungssituation der bewerteten Arten. Ihr Stellenwert als Dokumentationsmedium des Artenschutzes ist stetig gewachsen, seit vor fast 40 Jahren die ersten Roten Listen veröffentlicht wurden. Heute sind sie weithin bekannte und vielfältig genutzte Instrumente des Naturschutzes. Die bundesweiten Roten Listen werden in etwa 10-jährigem Turnus aktualisiert. Der Indikator „Gefährdete Arten“ stellt die Artengefährdung in Deutschland auf der Basis der Bewertungen in den Roten Listen anschaulich dar.


Definition

Der Indikator fasst die Angaben zur Gefährdung der Arten in den bundesweiten Roten Listen in einer einfachen Maßzahl zusammen. Datengrundlage sind die Einstufungen der Arten in die Rote-Liste-Kategorien, die ein System abgestufter Gefährdungsgrade bilden bis hin zum Aussterben von Arten. Der resultierende Index liefert einen einzelnen Wert, der das Ausmaß der Gefährdung aller bilanzierten Arten wiedergibt.

Zum Schutz der Artenvielfalt wird in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt als Ziel festgelegt, dass sich bis 2020 für den größten Teil der Rote Liste-Arten die Gefährdungssituation um eine Stufe verbessern soll. Auf Grundlage dieser Vorgabe kann ein konkreter Zielwert für das Jahr 2020 berechnet werden. Dabei wird eine Verbesserung der Gefährdung aller aktuell bestandsgefährdeten Arten um eine Stufe angenommen.

„Bis 2020 hat sich für den größten Teil der Rote Liste-Arten die Gefährdungssituation um eine Stufe verbessert.“ (BMU 2007: 27)

In Zukunft sollen zusätzlich zum Hauptindikator Teilindikatoren gebildet werden u.a. zur Gefährdung der Arten, für deren Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung trägt und deren Populationen gemäß den Zielen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bis 2020 eine überlebensfähige Größe erreichen sollen. Weiterhin kann künftig ein Teilindikator den Stand des Wissens zur Artengefährdung in Deutschland beleuchten.


Aufbau

Datengrundlage für die Berechnung des Indikators sind die von Expertengremien erstellten bundesweiten Roten Listen. Für die Berechnung stehen derzeit die Roten Listen der Pflanzen und Pilze von 1996 (Ludwig & Schnittler 1996) und der Tiere von 1998 (Binot et al. 1998) zur Verfügung, weiterhin die 2009 veröffentlichten aktuellen Fassungen der bundesweiten Roten Listen für die Wirbeltiere (ohne Meeresfische) (BfN 2009a). Der Indikator „Gefährdete Arten“ wird vorläufig nur für die Gruppe der Wirbeltiere (ohne die Meeresfische) bilanziert, für die Daten zur Gefährdung aus dem Jahr 2009 vorliegen. Das Bundesamt für Naturschutz plant, die aktualisierten bundesweiten Roten Listen für weitere Artengruppen in 2010 und 2011 herauszugeben. Die Bilanzierung des Indikators wird künftig auch die Daten aus diesen Roten Listen umfassen.

In die Berechnung des Indikators fließen die Arten mit unterschiedlichen Gewichtungsfaktoren ein. Dabei gilt: Je stärker eine Art gefährdet ist, desto stärker beeinflusst sie den Indikatorwert. Aus der Bildung des Indexes resultiert eine Skala, auf der 0 % erreicht würden, wenn keine der Arten bestandsgefährdet, ausgestorbenen oder verschollenen wäre. Bei 100 % wären sämtliche betrachteten Arten ausgestorben oder verschollen.


Aussage

Für das Jahr 2009 beträgt der vorläufig nur für die Gruppe der Wirbeltiere (ohne die Meeresfische) berechnete Indikatorwert 23 %. Verringert sich in Zukunft das Ausmaß der Gefährdung von Arten, wird dieser Wert sinken. Vom Zielwert, der bei 16 % liegt, ist der aktuelle Indikatorwert noch weit entfernt. Gegenüber den entsprechenden Roten Listen von 1998 ist eine geringfügige Verbesserung des Indexwertes festzustellen. Aufgrund zahlreicher methodischer Veränderungen bei der Einstufung der Arten der Wirbeltiere in Rote-Liste-Kategorien nach 1998 ist ein direkter Vergleich allerdings nur sehr eingeschränkt möglich.

Bei den Bilanzierungen muss darauf hingewiesen werden, dass die hier betrachteten Wirbeltiere deutlich weniger als 1 % aller in Deutschland vorkommenden bekannten Arten der Tiere, Pflanzen und Pilze stellen. Zudem handelt es sich um Gruppen mit überwiegend gut untersuchten Tierarten, von denen überdurchschnittlich viele bereits seit langer Zeit im Brennpunkt von Artenschutzbemühungen stehen. Eine Verallgemeinerung der hier vorgestellten Indikatorwerte auf die gesamte Artenvielfalt in Deutschland und deren Gefährdung ist daher nicht möglich (Pauly et al. 2009). Nach Erscheinen weiterer aktueller Roter Listen wird sich die Zahl der in den Index eingehenden Arten sehr stark vergrößern, und die Aussagen zur Bilanzierung können sich deutlich ändern.

Für besonders gefährdete Arten müssen Einzelmaßnahmen ergriffen werden, die das Überleben dieser Arten sichern. Dabei sollten insbesondere solche bestandsgefährdeten Arten prioritär behandelt werden, für deren Erhaltung Deutschland eine hohe oder eine besonders hohe Verantwortlichkeit besitzt. Für einen erfolgreichen Artenschutz ist es außerdem notwendig, das Wissen um alle in Deutschland vorkommenden Arten und deren Gefährdung zu verbessern.

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Weitere Information

Der Indikator bilanziert das Ausmaß der Gefährdung von Arten ausgewählter Artengruppen.

Aufgrund zahlreicher methodischer Veränderungen bei der Einstufung der Arten der Wirbeltiere in Rote-Liste-Kategorien nach 1998 ist ein direkter Vergleich mit dem Indikatorwert von 1998 nur sehr eingeschränkt möglich.