Bewusstsein für biologische Vielfalt
Diagramm

Grafik: BfN (2010), Daten: BMU/BfN (2009)
Kurzfassung
| Themenfelder der NBS | B 5 Gesellschaftliches Bewusstsein, C 14 Bildung und Information |
|---|---|
| Definition | Der Indikator bilanziert das Bewusstsein der Bevölkerung in Bezug auf die biologische Vielfalt in drei Teilbereichen: dem Wissen, der Einstellung und der Verhaltensbereitschaft. |
| Gemessene oder beobachtete Größe | Anteil der deutschsprachigen Wohnbevölkerung über 18 Jahre, die in Bezug auf die biologische Vielfalt in den drei Teilbereichen „Wissen“, „Einstellung“ und „Verhaltensbereitschaft“ bestimmte Mindestanforderungen erfüllt |
| Letzter berichteter Wert | 22 % (Stand: 2009) |
| Ziel/Zielwert | Bis zum Jahr 2015 zählt für mindestens 75 % der Bevölkerung die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu den prioritären gesellschaftlichen Aufgaben. |
| Status | |
| Trend | n.v. |
| Kernaussage | Im Jahr 2009 haben 22 % der Bevölkerung ein mindestens ausreichendes Bewusstsein für die biologische Vielfalt. Da der aktuelle Wert noch sehr weit vom Zielwert entfernt liegt, muss die Bedeutung biologischer Vielfalt verstärkt zielgruppengerecht vermittelt werden. |
| Indikatorensystem | SEBI |
Einführung

Haussperling (Passer domesticus) © Fotoline /
photocase.com
Um die biologische Vielfalt dauerhaft zu erhalten, bedarf es nicht nur großer Anstrengungen staatlicher Akteure, sondern auch einer breiten Zustimmung und Mitwirkung in der Gesellschaft. Alle Menschen in Deutschland sollten um die Bedeutung der biologischen Vielfalt als Lebensgrundlage heutiger und künftiger Generationen wissen. Weiterhin sollte sich jeder Einzelne aus diesem Wissen heraus für die Erhaltung der biologischen Vielfalt persönlich verantwortlich fühlen und sein Handeln entsprechend ausrichten.
Sowohl das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) als auch die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt betonen die große Bedeutung von Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit. So heißt es in Artikel 13 der CBD: „Die Vertragsparteien […] fördern und begünstigen das Bewusstsein für die Bedeutung der Erhaltung der biologischen Vielfalt und die dafür notwendigen Maßnahmen sowie die Verbreitung dieser Thematik durch die Medien und ihre Einbeziehung in Bildungsprogramme […]“. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt stellt die Bundesregierung fest: „Aktivitäten zur Erhaltung der biologischen Vielfalt benötigen gesellschaftliche Unterstützung. Dazu bedarf es handlungsorientierten Lernens sowohl im Bildungsbereich als auch in allen anderen Bereichen des Lebens“ (BMU 2007: 61).
Definition
Der Indikator bildet das Bewusstsein der deutschsprachigen Wohnbevölkerung über 18 Jahre in Bezug auf die biologische Vielfalt ab und besteht aus drei Teilindikatoren. Beim Wissensindikator geht es um die Bekanntheit des Begriffes „biologische Vielfalt“ und um die Kenntnis von dessen Bedeutung. Der Einstellungsindikator beleuchtet die Wertschätzung der befragten Personen für die biologische Vielfalt. Der Verhaltensindikator erfasst die Verhaltensbereitschaft der befragten Personen in verschiedenen Handlungsbereichen (u.a. beim Konsumverhalten), die für die Erhaltung der biologischen Vielfalt relevant sind.
In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt hat sich die Bundesregierung als Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2015 für mindestens 75 % der Bevölkerung die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu den prioritären gesellschaftlichen Aufgaben zählt. Die Bedeutung der biologischen Vielfalt soll fest im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert und das Handeln der Menschen zunehmend daran ausgerichtet sein.
„Im Jahre 2015 zählt für mindestens 75 % der Bevölkerung die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu den prioritären gesellschaftlichen Aufgaben.“ (BMU 2007: 60)
Aufbau
Die Datenbasis des Indikators sind regelmäßig durchzuführende repräsentative Bevölkerungsumfragen. Diese sind entweder in die Naturbewusstseinsstudien des Bundesamtes für Naturschutz oder die Umweltbewusstseinsstudien des Umweltbundesamtes integriert oder sind Teil einer Mehrthemenumfrage eines Sozialforschungsinstituts. Die Zahl der befragten Personen beträgt mindestens 1.000, wenn möglich 2.000, um Teilgruppen wie etwa Personen mit hoher und niedriger formaler Bildung bezüglich ihres Bewusstseins vergleichen zu können. Die erste umfassende Naturbewusstseinsstudie wurde im Jahr 2009 durchgeführt (BMU & BfN 2010).
Das Fragenset zur Datenerhebung besteht aus zwei Fragen zum Wissen, sieben Fragen zu Einstellungen und sechs Fragen zur Verhaltensbereitschaft. Es werden zunächst die drei Teilindikatoren gesondert berechnet. Dabei entspricht die Höhe eines Teilindikators jeweils dem Prozentanteil an Personen, deren Antworten im Sinne der Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zur Bewusstseinsbildung als ausreichend oder besser gewertet wurden. Schließlich wird ein Gesamtindikator gebildet, der angibt, wie viel Prozent der befragten Personen die Anforderungen in allen drei Teilbereichen erfüllen, d. h. ein mindestens ausreichendes Bewusstsein in Bezug auf die biologische Vielfalt haben. Aufgrund dieser Konstruktion kann der Wert des Gesamtindikators maximal so hoch sein wie der Wert des niedrigsten Teilindikators.
Aussage
Im Jahr 2009 haben 22 % der deutschsprachigen Wohnbevölkerung über 18 Jahre ein mindestens ausreichendes Wissen sowie eine positive Einstellung bezüglich der biologischen Vielfalt und äußern zugleich eine entsprechende Verhaltensbereitschaft. Damit liegt der Wert des Gesamtindikators noch sehr weit vom Zielwert von 75 % entfernt. Da die Umfragen im Jahr 2009 erstmals durchgeführt wurden, ist bisher kein Vergleich mit früheren Ergebnissen möglich.
Betrachtet man die einzelnen Teilindikatoren getrennt, so zeigt sich ein differenziertes Bild. Von den Befragten kennen 42 % den Begriff der biologischen Vielfalt (Wissensindikator). Die meisten aus dieser Gruppe verbinden damit zumindest die Artenvielfalt, nur wenige auch die Vielfalt der Lebensräume/Ökosysteme oder die genetische Vielfalt. Bei 54 % der Befragten sind die Einstellungen bezüglich biologischer Vielfalt positiv (Einstellungsindikator), und 50 % sind bereit, ihr Verhalten an der Erhaltung der biologischen Vielfalt auszurichten (Verhaltensindikator).
Im Vergleich der Teilindikatoren schneidet der Wissensindikator am schlechtesten ab, aber auch die beiden anderen Teilindikatoren liegen noch weit vom gesetzten Zielwert entfernt. Es besteht also auf allen drei Ebenen der Bewusstseinsbildung die Notwendigkeit, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dabei sollten sich Programme zur Aufklärung und Bildung an unterschiedlichen Zielgruppen orientieren und deren besondere Bedürfnisse und Interessen in differenzierter Weise aufnehmen. Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt enthält zahlreiche Maßnahmen in Hinblick auf gesellschaftliches Bewusstsein, Bildung und Information, deren konsequente Umsetzung zu einer Verbesserung des Bewusstseins über die biologische Vielfalt beitragen soll.
Folgende, auf den Zielen und Maßnahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt basierende Empfehlungen zur Verbesserung des Bewusstseins über biologische Vielfalt sollten zeitnah verwirklicht werden:
- Die Bedeutung von Schutz und naturverträglicher Nutzung der biologischen Vielfalt ist als wichtiges Bildungsthema in stärkerem Maße als bisher zu verankern. Um einen möglichst großen Teil der Bevölkerung zu erreichen, müssen in den verschiedensten Bildungseinrichtungen entsprechende Angebote zielgruppengerecht und an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert ausgebaut werden.
- Die Vermittlung des Wertes der biologischen Vielfalt muss über die gesamte Breite moderner Kommunikationswege zielgruppenspezifisch vorangebracht werden.

